Somatoforme und Störungen mit körperlichen Auffälligkeiten
Somatoforme Störungen und Verhaltensstörungen mit körperlichen Auffälligkeiten bilden eine Gruppe von psychischen Erkrankungen, die sich durch körperliche Symptome oder Verhaltensweisen äußern, deren Ursachen jedoch primär im psychischen Bereich liegen. Sie verdeutlichen die enge Verbindung zwischen Körper und Psyche: Belastungen, Konflikte oder Traumata können sich in körperlichen Beschwerden manifestieren, ohne dass eine organische Ursache nachweisbar ist.
Diese Störungen umfassen ein breites Spektrum – von Essstörungen über Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen bis hin zu Suchtverhalten. Sie sind klinisch bedeutsam, da sie häufig chronisch verlaufen, die Lebensqualität erheblich einschränken und mit hohen Folgekosten für das Gesundheitssystem verbunden sind.
Somatoforme Störungen
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- Wiederholte körperliche Beschwerden (z. B. Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden), für die keine ausreichende organische Erklärung gefunden wird.
- Betroffene erleben die Symptome als real und belastend, auch wenn medizinisch keine Ursache nachweisbar ist.
- Häufig verbunden mit Angst, Depression oder Stress.
- Verhaltensstörungen mit körperlichen Auffälligkeiten:
- Psychische Störungen, die sich in körperbezogenem Verhalten zeigen (z. B. Essverhalten, Schlafrhythmus, Sexualität, Substanzkonsum).
- Charakteristisch ist die Beeinträchtigung der Selbstregulation und die Gefahr von körperlichen Folgeschäden.
Essstörungen
- Anorexia nervosa (Magersucht):
- Starkes Untergewicht durch restriktives Essverhalten, intensive Angst vor Gewichtszunahme.
- Körperschemastörung: Betroffene nehmen sich trotz Untergewicht als „zu dick“ wahr.
- Folgen: Mangelernährung, Organschäden, hohe Mortalität.
- Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht):
- Wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust.
- Kompensatorische Maßnahmen: Erbrechen, Abführmittel, exzessiver Sport.
- Folgen: Elektrolytstörungen, Zahnschäden, Herzrhythmusstörungen.
- Binge-Eating-Störung:
- Essanfälle ohne kompensatorisches Verhalten.
- Häufig mit Übergewicht und psychischer Belastung verbunden.
- Klinische Bedeutung: Essstörungen sind oft mit schwerwiegenden körperlichen und psychischen Folgen verbunden und erfordern eine Kombination aus Psychotherapie, Ernährungsberatung und medizinischer Betreuung.
Schlafstörungen
- Insomnie: Schwierigkeiten beim Einschlafen, Durchschlafen oder frühmorgendliches Erwachen.
- Hypersomnie: Übermäßige Schlafneigung trotz ausreichender Schlafdauer.
- Parasomnien: Auffälligkeiten im Schlaf wie Schlafwandeln, Albträume oder nächtliche Panikattacken.
- Schlafbezogene Atmungsstörungen: Schlafapnoe mit Atemaussetzern, die zu Tagesmüdigkeit und kardiovaskulären Risiken führen.
- Klinische Bedeutung: Schlafstörungen beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit, erhöhen das Risiko für Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sind oft Ausdruck psychischer Belastungen.
Sexuelle Störungen
- Störungen der sexuellen Funktion:
- Erektionsstörungen, Orgasmusstörungen, Libidoverlust.
- Häufig psychisch bedingt durch Stress, Partnerschaftskonflikte oder Traumata.
- Paraphilien: Abweichende sexuelle Vorlieben (z. B. Fetischismus, Voyeurismus), die zu Leidensdruck oder sozialen Problemen führen können.
- Klinische Bedeutung: Sexuelle Störungen sind oft tabuisiert, führen aber zu erheblichem Leidensdruck. Eine offene Diagnostik und Therapie (z. B. Sexualtherapie, Psychotherapie) sind entscheidend.
Suchtstörungen
- Definition: Wiederholter Konsum von Substanzen oder Ausübung von Verhaltensweisen trotz negativer Folgen.
- Substanzgebundene Süchte: Alkohol, Nikotin, illegale Drogen, Medikamente.
- Nicht-substanzgebundene Süchte: Spielsucht, Internetsucht, Kaufsucht.
- Kernmerkmale:
- Kontrollverlust über Konsum oder Verhalten
- Toleranzentwicklung (immer höhere Dosen nötig)
- Entzugssymptome bei Reduktion oder Absetzen
- Folgen: Körperliche Schäden (Leberzirrhose, Herzprobleme), soziale Isolation, Arbeitsplatzverlust, hohe Mortalität.
- Therapie: Kombination aus Entzug, Psychotherapie, Selbsthilfegruppen und ggf. medikamentöser Unterstützung.
Somatoforme Störungen und Verhaltensstörungen mit körperlichen Auffälligkeiten verdeutlichen die Verbindung von Psyche und Körper. Sie reichen von körperlich erlebten Beschwerden ohne organische Ursache bis hin zu Verhaltensmustern mit gravierenden körperlichen Folgen.
- Essstörungen zeigen die Gefährdung durch gestörtes Essverhalten.
- Schlafstörungen verdeutlichen die Bedeutung von Regeneration und psychischer Stabilität.
- Sexuelle Störungen betreffen ein sensibles, oft tabuisiertes Feld mit hoher Relevanz für Lebensqualität.
- Suchtstörungen sind ein zentrales Gesundheitsproblem mit enormen gesellschaftlichen Folgen.
Eine interdisziplinäre Behandlung (medizinisch, psychotherapeutisch, sozial) ist entscheidend, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche zu verstehen und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern.
Mehr über Schlafstörungen
Leider führen Schlafprobleme dazu, dass sich Betroffene plötzlich intensiv mit ihrem Schlaf befassen und sich beobachten. Sie entwickeln ein unrealistisches Bild vom idealen Schlaf und ärgern sich über die Situation oder machen sich noch mehr Sorgen. Ein Teufelskreis – die Schlafstörung fängt an sich zu verselbständigen – und wird zum echten Problem!
Wer an einer Schlafstörung leidet, die mehr als einen Monat andauert, sollte zur Bewältigung professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Hier finden Sie Informationen zum CBT-Schlaftraining. Oft ist der Hausarzt die erste Ansprechperson, klärt jedoch oft die Ursachen zu wenig genau ab und verschreibt Medikamente, die das Problem zwar kurzfristig lösen, aber Nebenwirkungen haben wie Tagesmüdigkeit usw. Es fehlt auch an der Überprüfung der Wirksamkeit der ärztlich verordneten Massnahmen.Danach vergeht noch einmal viel Zeit mit Selbstversuchen (von Schlaftees über Matrazenwechsel hin zur Überprüfung von Wasseradern und Elektrosmog) bis die Bereitschaft da ist, einen auf Schlafbeschwerden spezialisierten Arzt/Psychologen aufzusuchen. Leider glaubt die betroffene Person nach den vielen Fehlversuche oft nicht mehr daran, dass ihr noch jemand helfen kann.
Es existieren schwerere Schlafstörungen, die nicht mit psychologischen Mitteln behandelbar sind, sondern körperliche Ursachen haben, dazu gehören etwa das Schlafapnoe-Syndrom und die «restless legs». Beim Ersten entstehen ungesund lange Atempausen, die den Schlaf stören. Die «restless legs» sind zappelige Beine. Man findet keine Ruhe, muss die Glieder immer wieder in eine andere Lage bringen. In beiden Fällen können medizinische Fachleute helfen.
Jeder Mensch verbringt etwa einen Drittel seines Lebens im Schlaf. In diesem Zustand koppelt man sich zwar von der Umgebung ab. Trotzdem befindet man sich in einem aktiven Prozess, denn im Schlaf geschehen Veränderungen unserer Hirn- und Körperfunktionen, die für unsere Erholung wichtig sind. Nach genauen (heutzutage messbaren) Abläufen verändert sich eine Vielzahl unserer Körperfunktionen, z.B. die Atmung, der Kreislauf, die Bildung und Abgabe von Hormonen, aber auch die Tätigkeit der Leber und der Nieren.
Unsere Zellen regenerieren sich während des Schlafs und das Immunsystem wird dadurch gestärkt. Auch für unser Gedächtnis und das Gefühlsleben ist der Schlaf wichtig, weil ein Teil der Einordnung und Verarbeitung unserer Erlebnisse, Ängste, Wünsche und Hoffnungen im Traum geschieht. Der Traum hat also eine vitale Bedeutung für unser psychisches Wohlbefinden.
Schlaf ist nicht gleich Schlaf. Es gibt zwei Arten davon. Vorerst schlafen wir ein und erreichen nach einer Normalschlafphase ein Stadium des Tiefschlafs. Hier geht es um körperliche Erholung und Regeneration, das Immunsystem wird gestärkt, und wir sparen Energie.
Ungefähr alle 90 Minuten erreichen wir dann die REM-Phase, die so heisst, weil man in ihr rasche Augenbewegungen (rapid eye movements) beobachten kann. In dieser Phase finden die Träume statt. Sie ist vor allem für das seelische Gleichgewicht wichtig. Eine innere Uhr steuert unseren Schlaf. Diese wird aber von äusseren Zeitgebern und biologischen Rhythmen beeinflusst, vor allem vom Licht. Es bewirkt den Aufbau des Hormons Melatonin, das am Abend unseren Körper auf Müdigkeit umschaltet.
Psychologie Siegfried ist anerkannt von:
Föderation Schweizer Psychologen FSP, Verband Bernischer Psychologen VBP, Erfahrungsmedizinisches Register EM.

