Paartherapie
Paartherapie ( in der Schematherapie) zielt darauf ab, festgefahrene Beziehungsmuster („Moduszirkel“) sichtbar zu machen und zu verändern. Sie verbindet klassische Paartherapie mit den Methoden der Schematherapie, um die zugrunde liegenden Kindheitsprägungen und Bedürfnisse beider Partner zu verstehen und neue, gesündere Interaktionsweisen zu entwickeln
Paartherapie – Grundlagen und Zielsetzung
Paartherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das darauf abzielt, Konflikte in Partnerschaften zu verstehen und zu lösen, die Kommunikation zu verbessern und die emotionale Bindung zu stärken. Sie wird sinnvoll, wenn Paare immer wieder in destruktive Muster geraten, sich entfremden oder unter ungelösten Konflikten leiden.
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Ziele der Paartherapie:
- Verbesserung der Kommunikation
- Förderung von gegenseitigem Verständnis
- Bearbeitung von Verletzungen und Enttäuschungen
- Stärkung von Nähe und Bindung
- Entwicklung neuer Lösungsstrategien für Konflikte
Die Methoden reichen von gesprächsorientierten Ansätzen über systemische Techniken bis hin zu emotionsfokussierten Verfahren. Ein besonderer Ansatz ist die Schematherapie, die ursprünglich für Persönlichkeitsstörungen entwickelt wurde, aber zunehmend auch in der Paartherapie Anwendung findet.
Schematherapie – Grundprinzipien
Die Schematherapie geht davon aus, dass Menschen durch frühe Erfahrungen bestimmte Schemata entwickeln – tief verankerte Denk- und Gefühlsmuster, die unser Verhalten prägen. Werden zentrale Bedürfnisse wie Sicherheit, Bindung oder Autonomie in der Kindheit nicht erfüllt, entstehen dysfunktionale Schemata, die später zu Problemen in Beziehungen führen können Portal der Psyche.
- Typische Schemata: Verlassenheit, Misstrauen, Unterwerfung, emotionale Entbehrung
- Modi: Aktivierte Zustände, die zeigen, wie ein Mensch auf Stress reagiert (z. B. verletztes Kind, wütendes Kind, kritischer Elternmodus)
- Therapieansatz: Diese Muster werden bewusst gemacht, verstanden und durch neue Erfahrungen korrigiert.
Paartherapie in der Schematherapie
In der Paartherapie nach schematherapeutischem Ansatz liegt der Fokus darauf, die Interaktionsmuster zwischen den Partnern zu erkennen und zu verändern.
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Analyse der Moduszirkel
Paare geraten oft in wiederkehrende Konfliktzirkel („Moduszirkeln“), in denen bestimmte Modi beider Partner aufeinander reagieren. Beispiel:
- Partner A fühlt sich verlassen → zieht sich zurück
- Partner B erlebt dies als Ablehnung → reagiert mit Kritik
- Beide verstärken gegenseitig ihre negativen Schemata
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Arbeit „in der Sitzung“
Die Schematherapie betont die Arbeit am aktuellen Konflikt. Der Therapeut hilft dem Paar, den Zirkel in Echtzeit zu erkennen und von außen zu betrachten. Dadurch entsteht ein gemeinsames Verständnis, dass nicht der Partner „das Problem“ ist, sondern die Muster, die beide unbewusst aufrechterhalten.
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Förderung von Bindung und Selbstbehauptung
Eine zentrale Aufgabe ist es, die Balance zwischen Bindung (Nähe, Sicherheit) und Selbstbehauptung (Autonomie, eigene Bedürfnisse) wiederherzustellen. Paare lernen, ihre Bedürfnisse klar zu äußern, ohne den anderen zu verletzen, und gleichzeitig die Bindung zu stärken.
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Methoden
- Imagery-Techniken: Arbeit mit inneren Bildern, um alte Verletzungen zu heilen
- Stuhldialoge: Verdeutlichung der verschiedenen Modi (z. B. verletztes Kind vs. kritischer Elternteil)
- Empathisches Konfrontieren: Der Therapeut benennt destruktive Muster klar, aber mit Verständnis
- Ressourcenaktivierung: Förderung positiver Erfahrungen und neuer Verhaltensweisen
Wirkung und Chancen
Die Paartherapie in der Schematherapie bietet die Möglichkeit, tieferliegende Ursachen von Konflikten zu verstehen und nicht nur oberflächliche Streitpunkte zu bearbeiten. Sie hilft Paaren,
- alte Verletzungen zu heilen,
- neue Kommunikationsformen zu entwickeln,
- die emotionale Nähe wiederzufinden,
- und langfristig stabilere Beziehungen aufzubauen.
Besonders wirksam ist sie bei Paaren, die unter chronischen Konflikten leiden oder deren Probleme auf frühe Bindungserfahrungen zurückgehen.
Paartherapie in der Schematherapie ist ein intensiver, aber sehr wirkungsvoller Ansatz. Sie verbindet die klassische Arbeit an Kommunikation und Konflikten mit einem tiefen Verständnis für die inneren Muster und Kindheitsprägungen beider Partner. Dadurch können Paare nicht nur ihre aktuellen Probleme lösen, sondern auch ihre Beziehung auf einer neuen, gesünderen Basis gestalten.
Praxisbeispiele aus der Paartherapie mit Schematherapie
Beispiel 1: „Verlassenheits-Schema trifft auf Rückzug“
- Situation: Anna fühlt sich schnell verlassen, wenn ihr Partner Thomas sich zurückzieht. Sie reagiert mit Vorwürfen („Du bist nie für mich da!“).
- Moduszirkel:
- Annas verletztes Kind aktiviert → Angst vor Verlassenwerden
- Thomas’ Distanzierter Beschützer aktiviert → Rückzug, Schweigen
- Ergebnis: Beide verstärken gegenseitig ihre Muster.
- Therapeutische Arbeit: Der Therapeut stoppt den Zirkel in der Sitzung, benennt die Modi und hilft Anna, ihre Angst direkt zu äußern („Ich brauche Nähe“), während Thomas lernt, nicht sofort zu fliehen, sondern beruhigend zu reagieren.
Beispiel 2: „Kritischer Elternmodus und Unterwerfung“
- Situation: Sabine kritisiert ihren Partner Markus häufig („Du machst alles falsch“). Markus reagiert mit Unterwerfung, sagt kaum etwas und zieht sich innerlich zurück.
- Moduszirkel:
- Sabines kritischer Elternmodus → ständige Kritik
- Markus’ unterwürfiges Kind → Anpassung, Schweigen
- Ergebnis: Frustration auf beiden Seiten, keine echte Nähe.
- Therapeutische Arbeit: Mit einem Stuhldialog wird Sabines kritischer Elternmodus sichtbar gemacht. Markus übt, seine Bedürfnisse klar zu äußern („Ich möchte, dass du mich respektierst“). Sabine lernt, ihre Kritik in konstruktive Wünsche zu verwandeln.
Beispiel 3: „Emotionale Entbehrung und Wutmodus“
- Situation: Peter fühlt sich emotional nicht gesehen. Wenn seine Frau Julia ihm nicht zuhört, reagiert er mit Wut. Julia wiederum zieht sich zurück, weil sie Angst vor Konflikten hat.
- Moduszirkel:
- Peters verletztes Kind → Bedürfnis nach Nähe
- Peters wütendes Kind → Vorwürfe, laut werden
- Julias Distanzierter Beschützer → Rückzug
- Therapeutische Arbeit: Der Therapeut nutzt Imagery-Techniken, um Peters Bedürfnis nach Zuwendung sichtbar zu machen. Julia erkennt, dass hinter der Wut ein Bedürfnis nach Nähe steckt. Beide üben, die Bedürfnisse direkt zu benennen, bevor der Wutmodus eskaliert.
Beispiel 4: „Bindung vs. Autonomie“
- Situation: Lisa wünscht sich viel Nähe und gemeinsame Zeit. Ihr Partner Jonas braucht Freiraum und reagiert gereizt, wenn Lisa klammert.
- Moduszirkel:
- Lisas verletztes Kind → Angst vor Verlust, Klammern
- Jonas’ rebellischer Modus → Abgrenzung, Trotz
- Therapeutische Arbeit: Der Therapeut hilft beiden, ihre Grundbedürfnisse zu erkennen: Lisa braucht Sicherheit, Jonas Autonomie. Mit Empathischem Konfrontieren wird klar, dass beide Bedürfnisse legitim sind. Sie entwickeln neue Regeln („gemeinsame Abende“ vs. „eigene Zeit“), die beide respektieren.
Diese Beispiele zeigen, wie die Schematherapie in der Paartherapie tieferliegende Muster sichtbar macht und Paare befähigt, ihre Bedürfnisse klarer zu kommunizieren. Statt sich gegenseitig als „Feind“ zu sehen, lernen sie, die destruktiven Zirkel zu erkennen und gemeinsam zu durchbrechen.
