Entwicklungsneurologische Störungen  -Spektrumsstörungen  Autismus und ADHS

 

Spektrumsstörungen wie Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gehören zu den häufigsten entwicklungsneurologischen Störungen. Sie beginnen in der Kindheit und begleiten Betroffene oft lebenslang. Charakteristisch ist, dass sie nicht nur einzelne Symptome betreffen, sondern breite Funktionsbereiche wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kommunikation, Verhalten und soziale Interaktion.

Beide Störungsbilder sind sehr heterogen: Während Autismus durch Auffälligkeiten in der sozialen Kommunikation und durch stereotype Verhaltensweisen geprägt ist, steht bei ADHS die Störung der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle im Vordergrund. Gemeinsam ist ihnen, dass sie früh beginnen, chronisch verlaufen und erhebliche Auswirkungen auf das schulische, berufliche und soziale Leben haben.

 

Autismus-Spektrum-Störung (ASS)

Autismus ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die durch Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion, Kommunikation und durch stereotype, repetitive Verhaltensmuster gekennzeichnet ist. Man spricht von einem „Spektrum“, da die Ausprägungen sehr unterschiedlich sein können – von schwerer Beeinträchtigung bis hin zu leichten Formen.

Kernmerkmale

  • Soziale Interaktion:
    • Schwierigkeiten, soziale Signale (Mimik, Gestik, Tonfall) zu verstehen.
    • Probleme beim Aufbau und Erhalt von Beziehungen.
  • Kommunikation:
    • Verzögerte oder eingeschränkte Sprachentwicklung.
    • Wörtliches Sprachverständnis, Schwierigkeiten mit Ironie oder Metaphern.
  • Verhalten:
    • Stereotype Bewegungen oder Handlungen (z. B. Schaukeln, wiederholte Routinen).
    • Fixierung auf spezielle Interessen oder Themen.
  • Sensorische Besonderheiten:
    • Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht, Berührung.

Subtypen / Schweregrade

  • Frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom): Beginn vor dem 3. Lebensjahr, deutliche Einschränkungen in allen Kernbereichen.
  • Asperger-Syndrom: Normale Sprachentwicklung, aber deutliche soziale Defizite und Spezialinteressen.
  • Atypischer Autismus: Später Beginn oder unvollständige Symptomatik.

Verlauf und Prognose

  • Symptome zeigen sich meist im frühen Kindesalter.
  • Verlauf ist chronisch, aber die Ausprägung kann sich im Laufe der Entwicklung verändern.
  • Frühförderung und gezielte Unterstützung verbessern die soziale und kommunikative Kompetenz.

Therapie und Unterstützung

  • Verhaltenstherapie zur Förderung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten.
  • Förderprogramme (z. B. TEACCH, ABA).
  • Medikamentöse Behandlung nur zur Behandlung komorbider Symptome (z. B. Angst, ADHS-Symptome).
  • Familien- und Umfeldarbeit zur Entlastung und Integration.

 

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die durch ein Muster von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet ist. Sie beginnt in der Kindheit und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen.

Kernmerkmale

  • Unaufmerksamkeit:
    • Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten.
    • Flüchtigkeitsfehler, Probleme bei Organisation und Planung.
  • Hyperaktivität:
    • Übermäßige motorische Aktivität, innere Unruhe.
    • Schwierigkeiten, ruhig sitzen zu bleiben.
  • Impulsivität:
    • Vorzeitiges Handeln ohne Nachdenken.
    • Schwierigkeiten, Bedürfnisse aufzuschieben.

Subtypen

  • Vorwiegend unaufmerksamer Typ (ADS): Konzentrationsprobleme stehen im Vordergrund.
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ: Motorische Unruhe und Impulsivität dominieren.
  • Kombinierter Typ: Mischform mit allen Kernsymptomen.

Verlauf und Prognose

  • Symptome beginnen meist im Vorschul- oder Grundschulalter.
  • Häufig persistieren die Symptome bis ins Erwachsenenalter, wobei Hyperaktivität oft abnimmt, Unaufmerksamkeit aber bestehen bleibt.
  • Erhöhtes Risiko für schulische Probleme, soziale Konflikte und komorbide Störungen (z. B. Angst, Depression, Sucht).

Therapie und Unterstützung

  • Multimodaler Ansatz: Kombination aus Verhaltenstherapie, Psychoedukation und medikamentöser Behandlung.
  • Medikamente: Stimulanzien (z. B. Methylphenidat) oder Nicht-Stimulanzien.
  • Psychotherapie: Förderung von Selbstorganisation, Impulskontrolle und sozialer Kompetenz.
  • Umfeldarbeit: Unterstützung durch Eltern, Lehrer und Arbeitgeber.

 

Autismus und ADHS sind Spektrumsstörungen, die sich durch ihre Vielgestaltigkeit und chronischen Verlauf auszeichnen.

  • Autismus betrifft vor allem soziale Interaktion, Kommunikation und Verhalten.
  • ADHS betrifft Aufmerksamkeit, Impulsivität und Aktivitätsniveau.
  • Beide Störungen beginnen früh, sind lebenslang relevant und erfordern eine individuell abgestimmte Förderung.
  • Eine multimodale Behandlung (Therapie, Umfeldarbeit, ggf. Medikamente) ist entscheidend, um die Lebensqualität zu verbessern und die Teilhabe in Schule, Beruf und Gesellschaft zu sichern.

 

 

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