Belastungsstörungen
Belastungsstörungen entstehen als Reaktion auf psychosoziale Stressoren oder traumatische Ereignisse. Sie zeigen, wie stark äußere Belastungen das seelische Gleichgewicht beeinflussen können. Während kurzfristige Reaktionen auf Stress oft Teil der normalen Anpassungsfähigkeit sind, können sie bei Überforderung oder traumatischer Intensität zu klinisch relevanten Störungsbildern führen. Diese reichen von Anpassungsstörungen über akute Belastungsreaktionen bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und dissoziativen Störungen.
Anpassungsstörung und Störungen am Arbeitsplatz
- Definition: Psychische Reaktionen auf belastende Lebensereignisse oder einschneidende Veränderungen (z. B. Arbeitsplatzverlust, Mobbing, Konflikte).
- Symptome:
- Depressive Stimmung, Angst, Besorgnis
- Gefühl der Überforderung, Leistungsabfall
- Soziale Rückzugstendenzen
- Häufig körperliche Beschwerden (Schlafstörungen, Kopfschmerzen)
- Besonderheit am Arbeitsplatz:
- Arbeitsbezogene Anpassungsstörungen sind häufig durch chronische Belastungen wie Überlastung, fehlende Anerkennung oder Konflikte geprägt.
- Sie können zu Burnout-Symptomen führen, auch wenn Burnout selbst keine eigenständige Diagnose ist.
Belastungsreaktion
- Definition: Akute psychische und körperliche Reaktion auf ein außergewöhnlich belastendes Ereignis (z. B. Unfall, plötzlicher Verlust).
- Symptome:
- Angst, Verwirrung, Übererregung
- vegetative Symptome (Herzrasen, Schwitzen, Zittern)
- teilweise Desorientierung oder Handlungsunfähigkeit
- Verlauf:
- Meist zeitlich begrenzt (Stunden bis wenige Tage)
- Rückbildung oft spontan, wenn die Belastung nachlässt
- Klinische Bedeutung: Eine Belastungsreaktion ist nicht zwangsläufig krankhaft, kann aber bei fehlender Verarbeitung in eine längerfristige Störung übergehen.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
- Definition: Langfristige psychische Folge eines extrem belastenden oder lebensbedrohlichen Ereignisses (z. B. Gewalt, Krieg, Naturkatastrophe).
- Kernsymptome:
- Intrusionen: Wiedererleben des Traumas in Form von Flashbacks oder Albträumen
- Vermeidung: Meiden von Orten, Personen oder Situationen, die an das Trauma erinnern
- Hyperarousal: Übererregung mit Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit
- Negative Veränderungen: Gefühle von Entfremdung, Schuld oder Hoffnungslosigkeit
- Verlauf: Chronisch oder episodisch, oft mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität.
- Therapie: Traumafokussierte Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie oder Craniosacraltherapie oder Somatic experience) und ggf. medikamentöse Unterstützung.
Dissoziative Störung
- Definition: Störungen, bei denen es zu einer Unterbrechung der normalen Integration von Bewusstsein, Gedächtnis, Identität oder Wahrnehmung kommt.
- Symptome:
- Amnesien (Gedächtnislücken für bestimmte Ereignisse)
- Depersonalisation (Gefühl, sich selbst fremd zu sein)
- Derealisation (Umwelt wirkt unwirklich oder verfremdet)
- In schweren Fällen: multiple Identitäten (dissoziative Identitätsstörung)
- Zusammenhang mit Belastung: Häufig Folge schwerer Traumatisierungen, insbesondere in der Kindheit.
- Klinische Bedeutung: Dissoziative Störungen sind komplex und oft mit anderen Belastungsstörungen (z. B. PTBS) verknüpft.
Belastungsstörungen zeigen die Bandbreite menschlicher Reaktionen auf Stress und Trauma:
- Anpassungsstörungen spiegeln die Schwierigkeiten wider, mit chronischen Belastungen umzugehen.
- Akute Belastungsreaktionen sind kurzfristige, oft selbstlimitierende Antworten auf extreme Ereignisse.
- PTBS stellt eine schwerwiegende Langzeitfolge traumatischer Erfahrungen dar.
- Dissoziative Störungen verdeutlichen, wie tiefgreifend Traumata die psychische Struktur beeinflussen können.
Eine frühe Intervention und die individuelle Anpassung von Therapieformen sind entscheidend, um die Belastungsfolgen zu mildern und die Resilienz der Betroffenen zu stärken.
